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Sprechblätter 02/26


DIE GLÜCKS-SUCHERIN
Erzählung als Annäherung und Positionierung rund um ein menschliches Streben -
von Evelyn Blumenau



Die Suche nach Glück, dem inneren Glück, ist eines der Hauptthemen im literarischen, musikalischen und gesanglichen Werk von Evelyn Blumenau. Ihre Themenschwerpunkte setzt die Autorin fernab von vermeintlichen Glücks-Orten und in großem Abstand zu scheinbar glücklich machenden Wellnessprodukten und Wellnessaufenthalten. Weiters bleiben Extremerfahrungen wie Besteigungen von Vier-, Fünf-, Sechs-, Sieben- oder Achttausendern sowie einwöchige Schweigeaufenthalte in Klöstern unberücksichtigt, um nur einige Beispiele zu erwähnen. Diese möglichen Unternehmungen kann E. Blumenau getrost ausschließen, da sie bei ihrer Glückssuche nichts Essenzielles beitragen können.

Vielmehr ist es die eigengeprägte Suche nach Glück, welche die Autorin antreibt. Glück, das jenseits von Trends, Influencer-Clips, Tourismuswerbung liegt, erweckt ihr Interesse und lässt sie zur ‚Kunst-Forschenden‘ werden. In vielen ihrer literarischen Audiostücke und Erzählungen wird ihr exploratives Schreiben sichtbar. Beispiele dafür sind „Die Suche nach dem Ur-Laub“, „Mildes Wasser“, „Können wir mehr als Leben spielen“, „Moment der Selbstbesinnung“, „Ich bin bei mir zu Gast“, „Transitraum Leben“, „Blattgolden, das Gefühl“, „Es liegt alles jetzt in meinem Blick“, „Ich lebte im Oxyquarium“.

Ich denke, also bin ich. Diesem bekannten Zitat von Descartes fügt die Autorin ein weiteres hinzu: Ich schreibe, also bin ich. Viele der oben erwähnten Werke sind im Textbuch „Ich lebte im Oxyquarium“ zu finden. Somit ist der Diskurs eröffnet, über Glück an sich nachzudenken. Glück, das jenseits von Ich tue mir etwas Gutes-Ambitionen liegt. Glück, das gemeinschaftliche Erlebnisse schaffen kann oder aus eben jenen kollektiven Erfahrungen erschaffen wird. Wenn die Sehnsucht nach sich selbst erwacht und als Chance bei der Glückssuche wahrgenommen wird, kann einiges in Bewegung kommen, meint die Autorin.

Die Suche nach Glück ist wohl so vielfältig wie die Menschheit. Die Sorge um sich selbst ist es ebenso. Doch es soll nicht sein, dass dieses ehrliche Bedürfnis dazu führt, findigen Geschäftsleuten zu immensem Reichtum zu verhelfen, wenn sie Konsumwelten voller „Glück“ und Bequemlichkeit vorgaukeln und die Suchenden dazu verleitet werden, beachtliche Geldsummen auszugeben.

Zu diesen Konsum-Scheinwelten gibt es zahlreiche Alternativen, die noch dazu attraktiv und offensichtlich sind. Sie haben viel zu bieten, wenn ihnen die Chance gegeben wird, wahrgenommen zu werden. Der Beginn der Suche nach dem Glück kann ein einfacher Vorgang sein, der praktischerweise gänzlich kostenfrei ist: Man könnte Gedanken kommen und gehen lassen, in sich gehen, Besonnenheit spüren, sich in Geduld üben. Oder etwas Neues konzipieren und vordenken. Eine Eigeninitiative setzen. Etwas ausprobieren und ausführen, wofür man eine Begabung hat. Etwas tun, was eine interessante Herausforderung darstellt. Oder schlicht und ergreifend nach Kontemplation Ausschau halten und ruhige Plätze aufsuchen, an denen Nachdenken möglich ist und innere Dialoge in Fahrt kommen (selbstverständlich bei abgeschaltetem Mobiltelefon). Die „Sophrosyne“ nicht nur theoretisch schätzen und anerkennen, sondern sie als bewusste Haltung im eigenen Leben und Kunstschaffen integrieren.

Oder man begibt sich auf eine Reise, die man immer schon machen wollte und die in keinem Angebot auf social media, im Reisebüro oder auf Reise-Seiten von aufgeregten Influencern und KI-Avataren zu finden ist, welche ihre Follower mit standardisiertem Lächeln in scheinbar idyllische Gegenden locken möchten.

Was also  k a n n  eine Reise sein? Soll sie überhaupt etwas Bestimmtes bieten? Ist es nötig, reflexhaft an Fernziele und exotische Länder zu denken? Eine Fahrt ins Umland der Großstadt, etwa nach Hainburg, ins Kamptal oder in den Nationalpark Wien-Lobau kann definitiv lohnend sein. Eine große Distanz zum Reiseziel oder die Exotik des Ortes sollten nicht unbedingt über Qualität oder Wertigkeit einer Reise entscheiden.


Ruhiger Ort mit Booten und Schilf am Neusiedlersee
Manchmal sind es verborgene ruhige Orte ganz in der Nähe, welche Menschen beglücken können. Im Bild ist es die weite Schilflandschaft an einem der stillen Ufer des Neusiedlersees, einem Gewässer südostlich der Großstadt Wien (Foto: Evelyn Blumenau).


Es ist vieles möglich, wenn man beschließt, sich auf die Suche zu machen. Vor allem gilt es, den eigenen Erkenntnissen zu folgen. Bei der Suche nach Glück werden sie gute Freunde und Begleiter sein. Und im übrigen kann eine Reise ins Innere, die dem Tun vorangeht, Erstaunliches bereit halten. Ich denke, also bin ich und Ich schreibe, also bin ich ergänzt die Autorin mit dem Satz:

Und meine Gedanken  b le i b e n  eigengeprägt.

***

Noch eine sachdienliche SPRECH-Anmerkung: Wer sich auf akademischen Niveau mit dem Thema Glück befassen möchte, hat die Möglichkeit, sich der Glücksforschung zu widmen, die ein spannendes und essenzielles Forschungsfeld darstellt. Der obige Text bietet allerdings keine Verknüpfungen, Links oder weiterführende Lesehinweise. Denn auch hier geht es um Eigeninitiative und Eigenrecherche.

Ich denke, also wird mir etwas einfallen. In diesem Sinne, wünschen wir alles Gute auf der Suche nach dem Glück.


Mit poetischen Texten, Melodien und Geräuschcollagen soll die analoge Welt hoch leben. Möge die Wahrnehmung sich erweitern und die Stille und das Innehalten zur Normalität werden!


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