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SU-UJARLA

Bildserie Su-Ujarla / Bildersammlung Details

Bildnerische Spuren des Zufalls


Zuallererst sind sie geschundene Pappkartons, abgenagte Holzplatten, ausgefranste Stoffreste. Dann werden sie mit zähen Farbpasten bekleckert, zittrig miteinander vermischt. So sie im richtigen Augenblick an den Borsten eines jähzornigen Pinsels hängen bleiben, können sie hoffen, mit einer Portion Glück auf die Malleinwand gekleckst, aufgetragen, gestrichen, geworfen, geschüttet zu werden. Sukzessive entsteht bei diesen Aktionen ein Bild innerhalb der obligaten vier Ecken. Warum es ausgerechnet vier sein müssen, hinterfragt niemand. Der Innenfläche, der Bildfläche gilt der ganze Ruhm.

Bilderwelten an der Leinwand, Bilderwelten neben der Leinwand

Die Pappkartons, Holzplatten, Stoffreste verbleiben nach den Mal-Unternehmungen im gesteigerten Maße patzig, abgenagt, ausgefranst. Dass sie nun von wilden, bunten Farbstrichen und Farbhäufchen übersäht sind, ist nur ein schwacher Trost. Unbenannt, unbeachtet und angetrocknet kann sie kein Zuspruch aufmuntern. Sprechchöre wie "Malpaletten aller Länder, vereinigt euch!" werden nicht einmal angedacht. Und wenn doch, dann gingen diese Parolen in die Leere. Die schöne Welt der Bilder ist stets eine Welt der Innenflächen. Ihnen gilt das Licht.


Hervorgehobene Farbreste - W.Kreuz arbeitet am Bild
Palettenreste, die wahrgenommen werden wollen - ihre Überzahl, ihr unterbelichtetes Ermöglichen von ästhetischer Formgebung sollte gewürdigt, sollte gefeiert, sollte gezeigt werden. Welche Aussage verbirgt sich hinter Zufallsbildern, Gegenbildern, Antibildern oder hinter allem, das aus dem Rahmen gefallen zu sein scheint?


Walter Kreuz, Kunstschaffender, Hörspieler, Schauspieler und Autor, hat im Laufe von 30 Jahren solche Innenflächen geschaffen, obwohl er die schöne Welt der Bilder ablehnt und alles daransetzt, seine Werke, die teils großformatig oder collagenhaft sind und stets mit dramaturgischen Projekten in Verbindung stehen, nur auszugsweise und stets kurz ans Tageslicht zu befördern. Meist fristen diese Kunstwerke ihr Dasein in der ehemaligen Tonaufnahme-Kabine einer kleinen Atelierwerkstatt, während sich um dieses Räumchen im Raum herum farbbesudelte und brüchige Pappkartons, Holzplatten und Stoffreste stapeln.


Details zu den Su-Ujarla-Bildern galarieartig angeordnet
Details aus Bildern der ersten SU-UJARLA-Serie: Die Farbreste samt ihren Untergründen werden meist auf bespannte Keilrahmen unterschiedlicher Größe affichiert. Das kann Holz oder Papier sein oder Pappe auf Leinwand, die oftmals, um die SU-UJARLA-Motive hervorzuheben, farblich aufeinander abgestimmt sind. Bis auf wenige Ausnahmen entstehen Kleinbilder im mittleren Format 30x20 cm.


Von "Kasäna-Karäna" zu SU-UJARLA


War es ein Druck von unten, war es das Schwanken der aufgetürmten Alt-Malpaletten, war es der von satten Farben überdeckte Zahn der Zeit, die allesamt nach Beachtung gierten und mit lautlosen Schreien auf ihre "eigenen" abgewrackten Innenflächen aufmerksam machen wollen? Wir scheiben das Jahr 2024 nach unserer Zeitrechnung, als dieses "Fußvolk der Malerei" zunächst den Arbeitstitel Kasäna-Karäna erhält. Die endgültige Bezeichnung jedoch entscheidet schließlich der Zufall. Ein Werfen von speziellen Würfeln ergibt die Bezeichnung SU-UJARLA für die stille Welt der Zufallsbilder auf Holzplatte & Co. Auch für den Titel jedes einzelnen SU-UJARLA-Bilds wird dieser Vorgang wiederholt. Auf diese Weise entstehen für die Zufallsbilder Namen wie "BIK-MOD", "ILO-EVE" oder "AVO-I-EL".

Apropos Sprache: Schon früher folgt das gecko art-Duo (Evelyn Blumenau und Walter Kreuz) den Spuren des Zufalls in partizipativ-sprachlichen Aspekten. Das "FlügelWortWerk", eine Kleinskulptur mit elektrisch betriebenen Schwungrädern, lässt aus "Wortspenden" interessierter Personen einen Fließtext entstehen - und dies mithilfe des Autors Zufall.


Präsentation des Kunstobjekts FlügelWortWerk
Werken an Texten unter Verwendung der Kleinskulptur "FlügelWortWerk" alias "WORK OF TIME No 1", quasi ein Formen- und Zeitenwandler. Denn neben Projekten zu "random poetry" steht das leise vor sich hinratternde Ding für Zeit und ihr beständiges Fließen. Bei zahlreichen Aktionen zum Thema Zeit war es Gast, teils als Hörskulptur, teils als Klanggenerator.


Zuflüsterungen
der Bilder

Ob aufgemischte Worte oder aufgemischte Farben. Deutungen und Bedeutungen bleiben selbstverständlich in menschlichen Händen. Man nimmt wahr, man spekuliert, man lässt Mehrdeutigkeiten zu, man visioniert, man kombiniert, man assoziiert, man lässt los, man lässt zu. Man ist nicht Zielobjekt von Meinungsmache, man steht außerhalb von Quoten. Man sucht bei sich selbst nach Antworten oder nach den Fragen, die das Individuum wirklich berühren. In diesem Sinne ist SU-UJARLA die Reise in stets neue Formen, neue Muster, die keiner Geschichte, keiner Tradition, keinem Ort, keinem Land, keiner Erwartungshaltung, keiner Lesart und keiner Denkart verpflichtet ist.


14 Bilder der SU-UJARLA-Serie sind im Juli 2026

bei folgender Performance der Gruppe gecko art zu sehen:

SOPHROSYNE - Wir begleiten die Zeit
DO, 30.07.2026, 18.30 Uhr
Ein Performance-Programm mit zwei Lese-Acts, einem Zeitstück und der Installation "SU-UJARLA"
Galerie The Last Abstraction, Ottakringer Straße 23, 1160 Wien

Programm:
Lesung von Evelyn Blumenau aus ihrem neuen Buch "Ich lebte im Oxyquarium"
Lesung von Walter Kreuz aus seinem Buch "Organion oder Das Ende des Aprils"
Performance "Ein Stück Zeit" nach Texten aus "Sekundenbruch auf Straße 4"
Pfiffige Spekulationen und Interpretationen als Ausklang vor der Bildserie SU-UJARLA

Diese Veranstaltung finden statt im Rahmen von einzelFISCHschwärmeFESTIVAL des zzoo-Vereins.

Weitere Infos bei gecko art

Fotos auf dieser Seite: Evelyn Blumenau, Walter Kreuz, gecko art


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